Informationen zum AGV Sängerbund 1920 e.V. Sandhausen


Unsere Geschichte, die Geschichte des AGV

Der Arbeitergesangverein Sängerbund 1920 e.V. (AGV) wurde im Jahre 1920 gegründet. In einer Zeit, in der der erste Weltkrieg von 1914-1918 noch seine Spuren hinterließ. Vom Gründungsjahr bis zum Jahr 1933, als der Verein wie viele Arbeitervereine von den damaligen Machthabern verboten wurde, hatte er eine Aufwärtsentwicklung, wie sie nur wenige Vereine aufweisen können. Von 40 aktiven Sängern im Gründungsjahr, nahm der Verein bereits 3 Jahre später mit 80 Sängern am Wertungssingen in Mannheim teil. Als ihm das Bestehen untersagt wurde, zählte er über 100 aktive Sänger.

Heute, 86 Jahre später, kann sich der Arbeitergesangverein Sängerbund auf rund 60 aktive Sänger und 45 aktive Sängerinnen stützen, die in ihrem im Jahre 1980 in Eigenleistung erbauten Sängerheim ihre Chorproben abhalten und die Geselligkeit pflegen. Wie bei vielen anderen Vereinen steht auch hier das Bemühen im Raum, ständig neue Sänger und Sängerinnen zu gewinnen, um den Verein für die Zukunft zu sichern. Mit einem guten Chorleiter als Basis für eine solide Chorarbeit ausgestattet, kann der Verein künftigen Entwicklungen zwar nicht sorglos, aber gerüstet entgegensehen.

 

Vereinschronik

Die Gründung vieler Arbeitervereine, ob sie sich im sportlichen oder im kulturellen Bereich bewegten, begann um die Jahrhundertwende und setze sich nach dem 1. Weltkrieg 1914-1918 in verstärktem Maße fort. In dieser Zeit wurde auch der Grundstein für einen Arbeitergesangverein Sandhausen gelegt. Obwohl schon drei Gesangvereine im Ort vorhanden waren, die zum Teil der bürgerlichen Seite zugeordnet wurden, sollte auch die Arbeiterklasse, wie es damals hieß, ihren Status im kulturellen Bereich festigen.

Dies wurde um so mehr betont, da nach dem ersten Weltkrieg die Gegensätze zwischen Arm und Reich immer größer wurden und dadurch die Kluft zwischen den Werktätigen und den Besitzenden immer weiter auseinander klaffte. In einem Vorwort zu einem Bezirkssängertag aus der damaligen Zeit hieß es: „Die Arbeitersängerbewegung ist eine geistige kulturelle Bewegung, sie will den Gesang und die Musik, die vor dem nur für begüterte, besitzende Klassen vorhanden war, dem werktätigen Volke nahe bringen.“ Wenn dies damals sicher richtig war, so hat sich im Laufe der Jahrzehnte doch eine Wandlung vollzogen, indem Sängerinnen und Sänger aus allen Bevölkerungsschichten in jedem Verein gleich welchen Namens im Gesang Freude und Erholung finden.


Nachdem in nahezu allen Gemeinden in der näheren und weiteren Umgebung bereits Arbeitergesangvereine vorhanden waren, war es unausbleiblich, dass auch in Sandhausen ein Arbeitergesangverein ins Leben gerufen wurde. Nach den ersten Vorgesprächen trafen sich dann Männer wie Georg Honig, Franz Richter, Georg Köhler, Johann Hambrecht, Friedrich Fetzer, Georg Stern und Jakob Hambrecht um nur einige zu nennen, welche die Gründung dann im Jahre 1920 vollzogen. Durch die Vernichtung aller Unterlagen im Jahre 1933 können über die Gründungszeit nur spärliche Angaben gemacht werden. Als Vereinslokal wurde das „Gasthaus zum Lamm“ festgelegt, in dem der Verein bis zum Abriss im Jahre 1979 blieb.


Erster Dirigent war Hauptlehrer Heinrich Gompf. Innerhalb weniger Jahre hatte der Arbeitergesangsverein einen solchen Sängerzuwachs, dass er bereits am II. Bezirkssängertag 1924 in Mannheim mit 80 Sängern am Wertungssingen teilnehmen konnte. Dirigent war Chormeister Ludwig Treiber. Diese Aufwärtsentwicklung wurde jäh unterbrochen, als der Arbeitergesangsverein Sängerbund, wie alle Arbeitervereine, im Jahre 1933 von den damaligen Machthabern im Dritten Reich verboten wurde. Nahezu das gesamte Vereinsvermögen wurde beschlagnahmt. Wertvolles Notenmaterial sowie die Vereinsfahne wurden verbrannt.


Von der Gründungszeit bis zum Verbot war der Verein von einer großen Solidarität getragen. Der Dirigent wurde von Spenden der aktiven Sänger bezahlt und während der großen Arbeitslosigkeit wurde so manchem arbeitslosen Sänger ein Glas Bier spendiert. Zu diesem Zweck, so wurde berichtet, stand eine Sammelbüchse auf dem Klavier, in der andere, die auch nicht viel hatten, ihre Groschen einwarfen. Vielleicht war diese Solidarität auch der Grund dafür, dass der Verein über diese schwere Zeit hinweg kam.

 

Gründung des Doppelquartetts
Um den Verein beweglicher zu machen und vor allen Dingen weitere Freunde für den Chorgesang zu gewinnen, wurde 1955 ein Doppelquartett gegründet. Als Dirigent trat der im Verein in der damaligen Zeit als Vizedirigent amtierende Edmund Reutner in Erscheinung. Er war in der Lage, innerhalb kurzer Zeit das Doppelquartett zu einem harmonischen Klangkörper zu bilden. Die Einladungen zu Auftritten in und außerhalb unserer Gemeinde wurden so zahlreich, dass sie oft nicht alle wahrgenommen werden konnten. Die Gründung des Doppelquartetts brachte dem Verein eine stete Aufwärtsentwicklung. Aktive und passive Mitglieder, die von den Auftritten begeistert waren, traten dem Verein bei. Bis heute ist das Doppelquartett aktiv und es wirken noch Sänger mit, die vom ersten Tage an mit dabei waren.

Seit 1969 leitet Vizedirigent Walter Zahn das Doppelquartett und hat in unzähligen Auftritten unter Beweis gestellt, dass er sein Handwerk versteht.

 

Bau eines Sängerheims

Wie bereits erwähnt, war das Gasthaus zum Lamm seit Gründung des Vereins das Vereinslokal. Obwohl durch das Verkehrsaufkommen im Ort und die dadurch entstehende Lärmbelästigung die Singstunden oft gestört wurden, auch unter der Nachbarschaft waren nicht immer sangesfreudige Einwohner zu finden, hielten wir bis zuletzt an diesem Lokal fest. Im Zuge der Ortssanierung, bei der auch die Straßenführung geändert werden musste, wurde 1979 das Gasthaus zum Lamm abgerissen. Der Verein konnte zunächst in das von der Gemeinde zur Verfügung gestellte Vereinshaus zur Dorfschänke umziehen.


Dieser Umzug, der schon von Anfang an mit Schwierigkeiten verbunden war, da die räumliche Nutzung mit anderen Vereinen nicht einvernehmlich geregelt werden konnte, wirkte sich in der Folgezeit sehr negativ auf das Vereinsleben der aktiven Sänger aus. Auch der damalige Pächter der Dorfschänke ließ zu wünschen übrig. Es kam keine Atmosphäre auf, in der man sich wohl fühlen konnte. Dies führte dazu, dass sich die Sänger nach der Singstunde verliefen und andere Lokale im Ort aufsuchten. Das war auf Dauer gesehen für den Verein untragbar, weil die Kameradschaft unter den Sängern brüchig wurde. Aus dieser Not geboren, keimte im stillen der Gedanke, ein eigenes Sängerheim zu erstellen, auf. Bevor die ganze Sache spruchreif wurde, hatte der damalige Vorstand Martin Hambrecht schon vieles abgeklärt. Es ging insbesondere darum, wie und unter welchen finanziellen Voraussetzungen ein solches Projekt durchgeführt werden konnte. Aber wie immer, wenn im Verein etwas angefasst wurde, hatte der Vorstand eine gute Vorarbeit geleistet. Der Sängersammlung konnte ein fertiges Konzept vorgelegt werden. Mit Unterstützung eines größeren Unternehmens, auf dessen Gelände Fabrikgebäude abgerissen wurde, konnte Baumaterial beschafft werden. Dazu kam, dass sich unser im Februar 1995 verstorbenes Ehrenmitglied Karl Petri bereit erklärte, die Planung und Bauleitung kostenlos zu übernehmen. Mit dieser Rückendeckung und mit einer beispiellosen Einsatzfreudigkeit aller Sänger konnte dann im September 1979 mit dem Bau begonnen werden. Pünktlich zum 60jährigen Jubiläum im August 1980, nach nur 9monatiger Bauzeit, wurde das Sängerheim seiner Bestimmung übergeben. Ein lang gehegter Wunsch ging in Erfüllung. Seit diesem Zeitpunkt stehen den Sängerinnen- und Sängern optimale Räume für ihren Aufenthalt und für die Chorproben zur Verfügung.

Für jüngere Sänger wurde zur Freizeitgestaltung ein Hobbyraum eingerichtet. Es sind Tischfußball, Billard, Flipper und Tischtennis vorhanden und können kostenlos genutzt werden. Besonders wichtig war, dass das Sängerheim schuldenfrei erstellt werden konnte. Die Vereinskasse war zwar danach leer und es mussten große Anstrengungen unternommen werden, damit der Dirigent bezahlt werden konnte. Aber genauso beispielhaft wie das Sängerheim in Eigenleistung gebaut wurde, war dann auch die Bereitschaft der Sänger- und Sängerfrauen beim Wirtschaftsbetrieb im Sängerheim mitzuhelfen. Das Sängerheim war noch nie verpachtet und wurde in Eigenregie betrieben. Dadurch waren wir in der Lage, sowohl unseren Kassenbestand wieder aufzubessern und unseren Mitgliedern und Gästen Essen und Getränke anzubieten, die auch heute noch preislich weit unter den ortsüblichen Gastronomiepreisen liegen. Dass dies heute mit dem zunehmenden Alter der Sänger- und Sängerfrauen schwieriger geworden ist, steht außer Zweifel, denn es sind auch die Außenanlagen sauber zu halten, damit das Sängerheim nach außen hin einen schönen Anblick bietet. Glücklicherweise sind wir seit der Gründung des Frauenchors im Jahr 2003 im Helferkreis wieder besser ausgestattet, weil sich auch Sängerinnen anbieten, die im Wirtschaftsbereich mithelfen und bei entsprechenden Veranstaltungen zur Verfügung stehen. Abschließend kann gesagt werden, ohne den damaligen 1. Vorsitzenden Martin Hambrecht, der von 1960 bis 1992 den Verein leitete, wäre dieses Sängerheim und vieles andere nicht zustande gekommen.

Gründung eines Frauenchors
Im Jahre 2003, in einer Zeit, in der sich unser Männerchor - bedingt durch Todesfälle und zunehmende Veralterung - langsam rückwärts bewegte, junge Sänger konnten kaum noch gewonnen werden, kam der Gedanke auf, einen Frauenchor ins Leben zu rufen. Der damalige 1. Vorsitzende Artur Eulert war der große Verfechter dieser Angelegenheit und hat sich besonders dafür eingesetzt. Ihm ist es zu verdanken, dass wir heute einen Frauenchor besitzen.
Dieser Frauenchor hat sich innerhalb weniger Jahre zu einer festen Größe in unserem Verein und in Sandhausen entwickelt. Mit rund 45 Sängerinnen präsentiert sich der Frauenchor bei öffentlichen Auftritten mit gutem gesanglichem Niveau und trägt zum guten Ansehen unseres Vereins auch außerhalb von Sandhausen bei. Auch bei gemeinsamen Auftritten mit dem Männerchor in unserer Winterfeier wird gute Chormusik zum Vortrag gebracht und findet großen Anklang.
Auch bei der Ausgestaltung des Sängerheims oder der Dekoration in der Festhalle spürt man die fachlichen Kenntnisse unserer Sängerinnen. Wir können nur hoffen und wünschen, daß sich diese Aufwärtsentwicklung fortsetzt und Männer und Frauenchor sich zu einer guten Einheit entwickeln.
Seit dem Jahr 1992 war unser Verein von Günter Reisenauer vertreten, ihm folgte 2000 Artur Eulert, der im März 2006 nicht mehr kandidierte. Seitdem nimmt Hartmut Rausch das Amt des 1. Vorsitzenden war.


Hier können Sie das Dokument als PDF-Datei erhalten.


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